Wie erkenne ich den richtigen Osteopathen für mein Pferd?

Artikel unserer ehemaligen Schülerin Jacqueline Hawighorst

 

„Alles Leben ist Bewegung. Dort wo Bewegung gestört ist, beginnt Krankheit.“ Andrew Taylor Still

 

 

Der Gesundheit im Allgemeinen liegt ein funktionelles Zusammenspiel von Knochen, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern, Organen und Gefäßen bis hin zu jeder einzelnen Zelle zugrunde. Jedes dieser Gewebe oder Strukturen hat eine Eigenbewegung, z. B. in Form eines Gelenkspiels oder der Beweglichkeit der Faszien. Kommt es zu einer Funktionsstörung eines einzelnen Teils dieses Systems, führt diese zu einer Beeinflussung des gesamten Körpers, da alle Strukturen des Körpers über Bindegewebe miteinander verbunden sind.

 

Anhand dieses sogenannten Fasziengewebes können sich Funktionsstörungen im gesamten Körper ausbreiten. Auch an entfernt gelegenen Körperteilen kann es zu weiteren Symptomen kommen. Sind die Kompensationsmechanismen eines Organismus erschöpft, kann dies dann zu strukturellen Veränderungen und Krankheit führen.

 

Beim Pferd bietet die Osteopathie gute Chancen, die Beweglichkeit wieder völlig herzustellen, die Selbstheilungskräfte anzuregen und die Eigenbewegung der Organe zu verbessern. Dabei ist sie immer aber auch nur so gut wie der Therapeut, der sie anwendet.

 

Mit einem Bewertungskatalog möchte ich hier Pferdebesitzern helfen, den für sie richtigen Osteopathen zu finden, ohne Lehrgeld zu bezahlen.

 

Ganz wichtig ist zunächst, kritisch zu hinterfragen, welche Ausbildung der Osteopath der Wahl absolviert hat: Gibt es eine fundierte, professionelle Ausbildung mit regelmäßiger Fortbildung bei den zertifizierten, renommierten Instituten oder wird lediglich angedeutet „osteopathische Techniken“ anzuwenden, was letztlich im Bereich Scharlatanerie anzusiedeln ist und beim Pferd während der Behandlung durchaus tiefgreifenden Schaden anrichten kann – bis zur Bewegungsunfähigkeit oder Euthanasie.

 

Des Weiteren ist ein konstruktives Kompetenz-Kriterium die berechtigte Frage nach Erfahrung und ggf. Referenzen, die der osteopathische Behandler besitzt. Ein seriöser Osteopath kann klar benennen, in welchen Fällen er schon erfolgreich helfen konnte. Hier zeigt sich auch meist deutlich, dass Beruf echte Berufung ist.

 

Ein glaubwürdiger Behandler informiert ebenfalls transparent über entstehende Behandlungskosten.

 

Ganz klar vermeiden sollte man im Interesse des eigenen Tieres – auch gerade bei verletzungsanfälligen Pferden – eine Behandlung bei einem Osteopathen in Ausbildung ohne Anwesenheit des Ausbilders. Das nämlich kann nicht einschätzbare Risiken und Verletzungen zur Folge haben. Einige Stunden praktischer Übung reichen nicht aus, um wirkliche Behandlungssicherheit zu erlangen – die profunde und praktische Erfahrung macht’s! Vorsicht kommt unbedingt vor „das Nachsehen“ haben.

 

Verantwortungsbewusste Ausbilder lehren überdies erst die Kontraindikationen, bevor es ans lebende Objekt geht – unter Berücksichtigung von Alter, Lebenssituation und Befindlichkeit des Patienten – und schulen umfänglich in Theorie, Anatomie, Diagnose und Therapie.

 

Auch zeichnet sich ein guter Osteopath durch intensive Beschäftigung mit dem Pferd aus – denn schließlich will er möglichst viel über seinen Patienten und dessen Vorgeschichte wissen – die er ja im wahrsten Sinne des Wortes „begreift“ – denn seine Grifftechnik ist das Entscheidende, um mit der Behandlung heilsame Resultate zu erzielen.

 

D. h.: Ein Osteopath mit regem Interesse am Tier und Fragen nach dessen Gesundheitssituation meint es mit Sicherheit ernst und gut und nimmt sich in aller Ruhe Zeit. Jedes Pferd ist zudem anders – jeder Patient hat seine höchst individuelle Vorgeschichte, die es zu verstehen gilt. Hier ist neben profunder physiologischer Kenntnis des Behandlers auch das „Feeling“ richtungweisend, denn nicht jedes Pferd darf und kann auf die gleiche Weise behandelt werden.

 

Bei gegebenen Vorschädigungen ist es durchaus sinnvoll und auch notwendig, sofern keine aktuellen Ergebnisse vorliegen, sonographische oder röntgenologische Voruntersuchung anzuordnen – um den Zustand des Pferdes richtig einzuschätzen.

 

Der Osteopath schaut sich das Pferd in seiner Gesamtheit an und behandelt, wenn möglich, zuerst die Ursachen, geht achtsam auf diese ein. Auf viele Sekundärfolgen wird so positiv eingewirkt; spontan wird dadurch oft die richtige Funktion von selbst ausgelöst.

 

Weniger ist mehr: Sanfter Umgang, schonungsvolle Eingriffe sind wesentlich – keine ruckartigen, manuellen Angriffe mit Fixierungen, schnellem, kraftvollem Reißen – das nehmen nicht nur die Gelenke mehr als übel... Keineswegs sollten dem Pferd durch grobe Manipulationen neue Stellung und Haltungen aufgezwungen werden. Verschlechterungen statt Verbesserungen sind die Folge.

 

Jeder engagierte Osteopath wird zudem immer mit viel Geduld und Empathie für Fragen nach einer Behandlung gesprächsbereit zur Verfügung stehen und mit hoher Motivation an einer nachhaltigen, ganzheitlichen Optimierung des Befindens arbeiten. Ein guter Therapeut erklärt genau, was er tut.

 

Sollte nach einer Behandlung eine langanhaltende Schmerzhaftigkeit auftreten, bedarf es umgehend zügiger Ursachenklärung: Ist diese Schmerzhaftigkeit eine regulative Folge der osteopathischen Behandlung – ähnlich der Erstverschlimmerung nach homöopathischer Therapie – oder ist es tatsächlich zu einer bleibenden Verschlechterung gekommen, die dann leider sehr schnell kostenexzessive Folgebehandlungen und höchste Betreuungsintensität nach sich zöge – sowohl schulmedizinisch als auch mit dem vollen Programm u.a. alternativer Therapieoptionen aus u.a. APM, Akupunktur, Reiki, Phytotherapie und Homöopathie sowie empfehlenswerten Nahrungsergänzungsmitteln oder als letztes Mittel: schlimmstenfalls Euthanasie.

 

Gesunderhaltung und Regeneration stehen also immer im Vordergrund.
Lehrbuchmeinung wirklich professioneller Institutionen beschreiben therapeutisch wirksame Osteopathie wie folgt: Wie sieht eine osteopathische Behandlung aus? (Zitat: Deutsches Institut für Pferdeosteopathie; mit freundlicher Unterstützung der DIPO zur Verfügung gestellt): „Jede Blockade eines Gelenks oder steife Muskulatur verursacht Bewegungseinschränkungen, die zu Lahmheiten, Taktunreinheiten, Hahnentritt und/ oder Unfähigkeit von Biegung und Stellung führen können. Das Ziel jeder osteopathischen Behandlung ist deswegen immer ein Mobilitätsgewinn, das heißt ein Wiedererlangen der natürlichen Bewegung. Jede Behandlung beginnt daher zunächst damit, dass sich der Therapeut einen Eindruck von der Beweglichkeit des Pferdes macht, durch Beobachten und Ertasten. Nicht die Form eines Gelenks hat sein Augenmerk, sondern dessen Mobilität. Nach der gründlichen Bestandsaufnahme entscheidet der Therapeut, welche Techniken er anwendet bzw. welche Strukturen er manipuliert.

 

Manipulation bedeutet in der Osteopathie die Wiederherstellung der Beweglichkeit von Gelenken mit Hilfe der Hand. Sie erfordert ein hohes Maß an Sensibilität sowie genaue Kenntnisse der Anatomie und Funktion des Körpers. Allein durch seine Hände löst der DIPO- Pferdeosteotherapeut Blockaden. Dieses Lösen wird als Impuls verstanden, eine Initialzündung, die dem Körper hilft, seine Selbstheilungskräfte in Gang zu bringen.

 

Die Vorstellung, der Osteopath bzw. DIPO-Pferdeosteotherapeut „renke“ etwas ein oder aus, ist falsch. Es findet keine Einrenkung oder Verschiebung eines Wirbels oder eines Gelenks statt. Es geht allein darum, fest sitzende Strukturen zu lösen.“

 

Aus dem Lehrskript zur Ausbildung zum energetischen Pferdeosteopathen nach Salomon (EPOS): „… Bei einer indirekten Korrektur einer blockierten Bewegung versuchen wir nicht weiter zu dehnen, sondern gehen zurück in die Richtung der besseren Beweglichkeit. Hier halten wir und warten auf Gewebeentspannung, verstärken noch etwas in die freie Richtung und gehen erst dann wieder zurück in die blockierte Bewegung. Indirekte Korrekturen sind zu bevorzugen, da sie schonender für den Patienten sind und oft eine bessere Wirkung erzielen…“ Und weiter: „Mobilisierung einzelner Knochen: Alle Manipulationen sind so sanft, dass der Zuschauer kaum eine Bewegung der Hände wahrnimmt.“

 

Auffallend ist, dass alle etablierten Institutionen für Pferdeosteopathie ein sanftes Handling, vor allen an den Beingelenken, strengstens lehren und beachten. Höchstes Ziel therapeutischer Hilfe für das Pferd ist stets: Die Lebensqualität & Beweglichkeit des Pferdes maximal zu sichern und zu erhalten. Dabei ist die Osteopathie eine der vielversprechendsten, effektivsten, schonungsvollsten Therapieoptionen, die sich überhaupt bietet.

 

Ein achtsamer Osteopath beschäftigt sich zur sorgfältigen Befunderhebung intensiv mit Ross & Reiter. Mithilfe seiner Hände und seines umfassenden Wissens von Anatomie, Physiologie und Pathologie kann er den individuellen Ursprung der Störung erfassen und mittels osteopathischer Techniken ins Gleichgewicht bringen.

 

Kenntnisreich identifiziert er zwar muskuläre Probleme des Pferdes – aber erst beim Bewegungsablauf wird deutlich, welche Gelenke blockiert sind. Nur so können durch zielgerichtete Justierung diese Strukturen wieder ihre gewohnte Festigkeit/Beweglichkeit erlangen. Je frischer eine Blockade ist, desto schneller können via Osteopathie die Bewegung des Pferdes normalisiert und die Muskulatur positiv beeinflusst werden.

 

Umso wichtiger ist es, Funktionsstörungen frühzeitig aufzuspüren, um dem Körper einen Impuls zur Regeneration anzubieten und um die Selbstheilungskräfte – auch Regulationsmechanismen genannt – des Körpers osteopathisch anzuregen.

 

Auch die Reit- oder Ausbildungsausrüstung sowie Reitverhalten und Haltung des Pferdes sollten in der Anamnese geprüft werden. Durchaus können auch nierenkranke Pferde lahmen, das Tier kann unter Magengeschwüren leiden und deshalb steif sein oder ein bockendes Pferd kann Bauchschmerzen haben.

 

Niemals darf ein Pferd für Untersuchungszwecke sediert werden. Die richtige Diagnose wird somit unmöglich, das Pferd reagiert so mit gefährlicher Gleichgültigkeit, wobei schlimmstenfalls arthrotische Gelenke oder kranke Knochen mobilisiert werden können, was zu noch stärkeren Schmerzen führt. Die positive Rückmeldung des Tieres ist ganz wesentlich – sowie manchmal auch seine aktive Mitarbeit. Abwehrbewegungen hingegen sind ein ganz wesentliches Indiz für den Osteopathen und dürfen keinesfalls ignoriert werden.

 

Übrigens: Es kann passieren, dass sich Ihr Pferd gegen die Behandlung wehrt. In den Händen eines guten Therapeuten wird es aber schnell entspannen.

 

Nach einer osteopathischen Behandlung muss sich Ihr Tier erst wieder an die neue Bewegungsqualität und an das verbesserte Körpergefühl gewöhnen. Manche Pferde haben auch einfach Muskelkater. Schonung und gemütliche Spaziergänge sind daher anzuraten.

 

Es ist vorrangig wichtig, die schwarzen Schafe der Branche, die erheblichen Schaden anrichten können, durch gründliche Absicherung (Überprüfung der Qualifikation, ausgiebige Gespräche) im Vorfeld einer Behandlung auszusondieren.

 

Wer unter den sehr vielen, bestens ausgebildeten und feinfühligen osteopathischen TherapeutInnen seinen Osteopathen der Wahl gefunden hat, kann sich über einen Sechser im Lotto freuen – und über einen „Glücksgriff“ für das eigene Pferd.

 

 

Ihnen wünsche ich ein gesundes, bewegungsfrohes Pferd – Ihrem Tier ein langes Leben und nur die besten Therapeuten.  

 

 

Tierheilpraktikerin, Hundetrainerin, Ernährungsberaterin und Huforthopädin
Jacqueline Hawighorst
Niermeyersweg 47
49479 Ibbenbüren

 

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.praxisfuertiere.de