Ein Symptom und viele Ursachen: Licky Fits

Artikel unserer ehemaligen Schülerin Anja Lörmann   

 

Als unser heute zweijähriger Großer Schweizer Sennenhund (GSS) bei uns einzog,
sollte vieles, was wir bei unseren vorherigen oder bisherigen Hunden verkehrt gemacht oder zu spät begonnen hatten, verändert werden. Keine turnusmäßigen sogenannten „Pauschal“-Impfungen, keine quartalsweisen oder halbjährlichen Entwurmungen ohne Nachweis von Wurmbefall, die nach den Empfehlungen des Tierarztes bzw. am Besten in Kombination verabreicht werden. Der bewusste aber verantwortungsvolle Verzicht auf chemische Spot-on Präparate. Und zu guter Letzt eine artgerechte und ausgewogene Ernährung, die meiner Meinung und Erfahrung nach, kein industriell hergestelltes Trockenfutter bieten kann.

Justus –so heißt unser GSS-Rüde– sollte von Anfang an gesund und optimal versorgt in sein Leben starten. Aus liebevoller Zucht kommend, bis zur Abholung mit 9 Wochen von der Mutterhündin gesäugt und entsprechend dem Alter und Entwicklungsstadium durch die Züchterin gebarft. Für uns und sicherlich auch bei vielen anderen Besitzern von Hunden ein sehr entscheidendes Kriterium zur Wahl des richtigen Züchters. Kurz gesagt, die Welpen unserer Züchterin waren alle rundum putzmunter und nach den Vorgaben des Zuchtverbandes mit dem standardisierten Welpen Paket durch den Tierarzt geimpft und entwurmt. In unserem Haushalt werden der Welpe, wie auch die anderen zwei bei uns lebenden Hunde gebarft. Die anstehende 7-fache Impfung sollte das Grundimmunisierungsprogramm vervollständigen. Der Welpe entwickelte sich prächtig.

Im Alter von 6 Monaten fing unser GSS nach der Rohfütterung plötzlich an, sehr heftig in der Luft zu lecken. Gestresst, ja geradezu panisch versuchte er irgendetwas in sein Maul zu bekommen, um sein offensichtliches Unwohlsein zu lindern. Dabei kam es zu einer ausgeprägten Aufgasung des Bauchraums. In einer solchen Situation gilt es schnelle und entscheidende Hilfe zu leisten, um den Hund aus diesem Zustand heraus zu holen. Also den Hund in das Auto bugsiert und schnell zum Tierarzt, doch bevor wir diesen erreicht hatten, war der Anfall vorbei. Der Hund verhielt sich wieder völlig normal und eine Ursache konnte nicht ermittelt werden. Mit der Symptombeschreibung konnte unser Tierarzt nichts anfangen. Justus wurde temporär auf Schonkost gesetzt.

Als unser GSS ein Jahr alt wurde, entwickelte er erneut solche „Anfälle“. Ich begann mich damit zu befassen, da die Anfälle jetzt häufig auftraten, in ihrer Länge zunahmen und je nach Fleischzusammensetzung und Kalziumlieferant variierten. In diversen Foren, Facebook- Gruppen und auch durch persönliche Nachfrage bei Züchtern dieser Rasse musste ich feststellen, dass es unzählige Hunde mit dieser Symptomatik gibt. Rassen wie Boxer und Deutscher Schäferhund zeigen ebenfalls vermehrt diese Symptome.

Von einfachen Mitteln wie Gras fressen lassen oder der Zugabe von Heilerde bei der Fütterung bis zu wahrhaftigen und nicht selten kostspieligen Odysseen in Tierkliniken oder bei Tierärzten war die Bandbreite an Schilderungen und Erfahrungen betroffener Halter sehr groß und breit gefächert. Auffällig bei dieser geschilderten Gesamtproblematik ist jedoch, dass in den seltensten Fällen eine dauerhafte und zufriedenstellende Lösung für Hund und Besitzer gefunden wurde.

Nun, was ist eigentlich ein Licky fit? Ein Licky fit ist ein panischer Leck-/ Schluckanfall. Die Hunde beginnen im Regelfall unmittelbar nach Abschluss oder in engem Zusammenhang mit der Fütterung stehend, mit einer vermehrten Speichelabsonderung. Dabei versucht das betroffene Tier durch Schmatzen unter gleichzeitiger auffälliger Erhöhung des Schluckreflexes, dem Unwohlsein entgegenzuwirken. Hierbei wird, da sich kein Nahrungsbrei mehr in der Maulhöhle befindet, vermehrt eine große Menge Luft in den Magen gepresst. Aufgasungen und ggf. kolikartige Verkrampfungen des Mageneingangs sind die Folge. Je nach Habitus und Alter des Tieres kann es zu einer Torsion des Magens kommen. Die betroffenen Tiere sind extrem gestresst, werden enorm unruhig und sind je nach Intensität des Anfalls nur bedingt ansprechbar und von ihrem Vorhaben abzuhalten. Sie lecken Gegenstände wie Böden und Wände ab, versuchen irgendetwas zu fressen, um Linderung zu erfahren. Dabei kann es je nach Schmerzempfindlichkeit und Schmerzstärke zu wimmernden, stöhnenden teilweise sogar zu hysterischen hochfrequenten Lautäußerungen in Verbindung mit starken Würgereflexen kommen.

Bei den Würgereflexen kommt es je nach Schwere des Anfalls zum Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre und Maulhöhle. In den genannten Foren berichten Betroffene, dass im Extremfall Gardinen, kleinere Teppiche etc. gefressen werden. Die Anfälle variieren in Länge und Ausprägung. Den medizinischen Aspekten, mit den akuten oder chronischen Auswirkungen auf die in Mitleidenschaft gezogenen Organe, brauche ich in diesem Adressatenkreis sicherlich niemandem erklären. Bei vielen Hunderassen, mit im Verhältnis zur Körpergröße stehenden tiefen und breiten Brustkörben, werden vermehrt Licky fits als Vorboten oder Auslöser der Magendrehung beobachtet.
Die Ursachen sind vielfältig! Von verschiedenen Gastropathien bis zu Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse ist alles als mögliche Ursache zu sehen. Eine große Rolle spielen hierfür als Auslöser Futtermittelunverträglichkeiten, die für diese Erkrankung verantwortlich sein können. Eine chronische Übersäuerung des Magens durch Unverträglichkeiten führt zu einer Verdauungsstörung, deren Ausmaß mir leider sehr bekannt ist.

Der gastroösophageale Reflux muss zwingend veterinärmedizinisch behandelt werden, da eine chronische Ösophagitis das Allgemeinwohl des Hundes schwer beeinträchtigt und mitunter zu Krebserkrankungen führen kann. Eine Zusammenarbeit mit einem kompetenten Tierarzt ist meiner Meinung nach unumgänglich bei Licky fits.

Die Symptomatik als Herausforderung an den behandelnden Tierheilpraktiker. Ein Puzzle muss zusammengesetzt werden, um die Ursache zu finden. Dies stellt mich, wie auch bereits praktizierende Tierheilpraktiker und Tierärzte, immer wieder vor große Herausforderungen. Die Blutwerte waren nicht sonderlich aufschlussreich, was Entzündungszeichen oder einzelne Organstörungen angeht. Im vorliegenden geschilderten Fall zeigte sich jedoch ein erheblicher Mangel an Folsäure und ein erniedrigter Vitamin B12-Wert. Die Umstellung von B.A.R.F auf gekochte Fleischdiät (hier Pferd) mit Gemüse brachte nur wenig Besserung. Deshalb veranlasste ich eine Kotuntersuchung, bei der unter anderem die Anwesenheit von Helicobacter pylori ausgeschlossen wurde. Der Wert der pankreatischen Elastase war ebenfalls erniedrigt, jedoch noch im Toleranzbereich. Im Falle meines Hundes ist von einer chronischen Erkrankung der Bauchspeicheldrüse auszugehen. Eine Beteilung des Dünndarms ist ebenso anzunehmen. Der Magen ist also nicht der Verursacher, sondern er zeigte diffuse Störungen seiner Funktionen, ausgelöst durch Dünndarm und Bauchspeicheldrüse. Auch der Dickdarm zeigt momentan eine Dysbakterie. Da die Symptome periodisch auftreten, ist eine Prognose der Behandlungserfolge zum jetzigen Zeitpunkt schwierig. Mit viel Konsequenz in der Fütterung und ein wenig Glück erholen sich die Organe wieder.

 

Therapieansatz im vorliegenden Fall
Die Zugabe von Enzymen zur Unterstützung der Bauchspeicheldrüse und Folsäure sowie die wöchentliche Gabe von subkutan verabreichtem Vitamin B12 brachten nun deutliche Besserung. Der Hund bekommt seit mehreren Wochen eine selbst zubereitete Diät sowie einen Kräutertee aus Mariendistel, Schafgarbe, Melisse, Anis, Kümmel und Süßholzwurzel. Von der Gabe eines magensäurehemmenden Medikaments ist momentan noch nicht abzusehen, da dies die Aufnahme der Enzymsubstitution positiv unterstützt. Heilmoor ist ebenfalls als äußert förderlich für die Regulation der Darmflora zu betrachten. Derzeit behandle ich den Hund mit zwei Komplexmitteln, die ich abwechselnd subkutan injiziere. Zu einem späteren Zeitpunkt habe ich eine Behandlung mit Autonosoden geplant. Generell sollte ein Hund mit dieser Symptomatik diagnostisch sehr gründlich und umfassend untersucht werden. Diese Untersuchung kann unter anderem umfassen:

  • Blutbilder
  • Kotuntersuchungen auf Parasiten, pankreatische Elastase, Darmflora
  • Ggf. Ultraschalluntersuchungen des Bauchraums, Gastroskopie •
  • Bioresonanzanalyse

Abschließend ist zu erwähnen, dass Licky fits alles andere als harmlos sind. Es sollte bei Auftreten der Symptome gehandelt werden, um schwerwiegende Erkrankungen zu verhindern.  

 

Tierheilpraktikerin
Anja Lörmann
Feldmarkring 223
58640 Iserlohn

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